gegen Trickdiebe und Trickbetrüger

Warum bevorzugen Trickbetrüger Senioren als Opfer?

Nicht die Opfer sind schuld, wenn sie betrogen wurden!

Demografischer Wandel, jeder kann Opfer werden

Joachim Ludwig, Kriminalhauptkommissar in Köln, hat in einem Bericht über den demografischen Wandel im Deutschen Polizeiblatt (DPolBl) 06/2009 dazu Stellung genommen. Zitatanfang:

"Senioren werden nur selten Opfer von Gewalttaten, sie werden eher durch Eigentums- und Vermögensdelikte geschädigt. Begünstigt wird dies durch ihre abnehmenden geistigen Fähigkeiten. Das nutzen Täter bewusst aus. Es fällt schwer sich zu konzentrieren, dem redegewandten Betrüger zu folgen. und gleichzeitig logisch und folgerichtig zu denken und zu handeln. Das kriminelle Ansinnen schnell zu durchschauen, lässt im Alter offenbar nach.

Die Opfer sind meist über 80 Jahre alt. Die mit dem Alter einsetzenden Veränderungen sind für Jüngere oft nicht nachvollziehbar.Die Gefühle, gebraucht zu werden, nicht nur zur Last zu fallen, nicht selbst helfen zu können, werden kriminell ausgenutzt.

Die Opfer sind nicht naiv, unwissend und dumm.

Sie haben sich in ihrem Leben oft zur Wehr gesetzt. Aber nicht mit 87 Jahren. Daher wird uns dies später auch passieren! Mit 80 Jahren sind wir körperlich und geistig nicht so fit wie heute. Auch wir werden älter! Auch wenn wir dies wahr haben wollen." Zitatende.

Aber auch die Zahl der Täter über 60 Jahre steigt. Mit kriminellen Taten wollen sie der Altersarmut entfliehen. Der Bund deutscher Kriminalbeamten fordert sogar ähnlich wie beim Jugendlichen, ein Seniorenstrafrecht.

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Studie zeigt "nachlassendes Bauchgefühl" bei Senioren

US-Wissenschaftler führen das auf das mit dem Alter nachlassende Frühwarnsystem im Gehirn zurück. Eine Studie Social Sciences - Psychological and Cognitive Sciences von US-Wissenschaftlern um Elizabeth Castle haben festfestellt: Ältere Menschen können schlechter als jüngere einschätzen, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist.

Testpersonen in einen Magnetresonanztomographen sollten Gesichter auf Fotos beurteilen. Dabei beobachteten sie, was im Gehirn der Probanden passierte. Bei den jüngeren Erwachsenen war beim Betrachten von zwielichtigen Gesichtern eine bestimmte Region im Gehirn aktiv: die anteriore Insula. Während bei den Jungen die Alarmglocken klingelten, zeigten sich die Senioren unbeeindruckt - bei ihnen war die Region nur schwach aktiv.

Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass die anteriore Insula bei Gefühlen von Abneigung oder bei der Bewertung von Risiken eine Rolle spielt. Sie nimmt innere Gefühle wahr, interpretiert diese für das Gehirn und ist so vermutlich an der Entstehung eines Bauchgefühls beteiligt. "Bei den älteren Menschen ist das Frühwarnsignal der anterioren Insula schwächer; ihre Gehirne melden nicht im gleichen Maße wie bei jüngeren: Vorsicht.

Soziale Aspekte, etwa die zunehmende Einsamkeit im Alter und damit einhergehende Freude über das Interesse auch von Fremden, thematisieren die Forscher nicht. Die geringere Empfänglichkeit für negative Reize, wie sie etwa in nicht-vertrauenswürdigen Gesichtern zu finden sind, könnte auf positive Weise dazu beitragen, dass sich Senioren die meiste Zeit gut fühlen", schreiben die Forscher.

Quelle: www.pnas.org, ww.orf.at v. 03.12.12

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Warum horten Ältere ihre Ersparnisse in der Wohnung?

Sie tun dies durchaus nicht grundlos: Joachim Ludwig dazu:

  • "Die Kosten für Alters- und Pflegeheime übersteigen oft das monatliche Einkommen. Dann entsteht die Frage, was aus dem Ersparten wird.
  • Zur eingeschränkten Bewegungsfreiheit kommt die Schwierigkeit im Umgang mit neuen Techniken, (Geldautomaten, geldlose Banken).
  • Fehlendes Vertrauen in Banken (Bankenkrise).
  • Das Geld für die Beerdigung oder der Schutz des Ersparten für die Erben."

Geld für die eigene Bestattung kann man auf einem Treuhandkonto, z.B. bei der "Deutschen Bestattungsvorsorge-Treuhand AG" hinterlegen. Das eingezahlte Geld ist für die Bestattung zweckgebunden und darf vom Sozialamt nicht angetastet werden. Überschüsse der Vorsorgegelder werden an die Erben ausgezahlt.

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Welche Senioren werden bevorzugt Opfer?

Das ideale Opfer lebt allein, ist vertrauensvoll, hilfsbereit, vergesslich, kann schlecht sehen und deshalb kaum eine brauchbare Täterbeschreibung abgeben. Das Opfer freut sich über Gespräche und Abwechslung. Herkunft und Schulbildung der Opfer spielen dabei keine Rolle. Aufgrund ihres Lebensalters und/oder einer Erkrankung sind manch Ältere schlichtweg überfordert, den Tätern gegenüber energisch aufzutreten oder das abgegebene Preisangebot im Hinblick auf die erbrachte Leistung realistisch zu beurteilen. Wenn man körperlich nicht mehr so fit wie früher, kann die Selbstsicherheit leiden.

Das alles nutzen die Betrüger aus. Sie gehen davon aus, dass die Kritikfähigkeit im Alter nachlässt und dass ältere Menschen in Stresssituationen, wie künstlich geschaffener Zeitdruck, nicht so reagieren können, wie Jüngere. Und Trickbetrüger können gut schauspielern. Und bei Alleinlebenden gibt es auch nur einen Zeugen.

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Was nützt vorbeugende Aufklärung?

Wenn man schon mal von den üblen Tricks der Ganoven gehört und sich mit dem Thema befasst hat, fällt das Erinnern leichter, man ist eher geneigt "NEIN" zu sagen.

Besonders gefragt ist hier die Aufmerksamkeit von Verwandten, Nachbarn, Pflegepersonal usw..

Die Bankangestellten sind von der Polizei über die Probleme informiert und reagieren besonders aufmerksam bei außergewöhnlichen größeren Geldabhebungen. Auch aufmerksame Taxifahrer, die Senioren zwecks großer Geldabhebungen zur Bank fahren, haben schon vorbildlich reagiert und die Polizei verständigt.